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OTZ: Herr Böhm, sie waren im Mai 2009 schon zu Gast bei
der Neustädter Kneipentour. Das war für viele eine
Überraschung. Wie kam es dazu?
Werner Böhm: Das war ganz witzig. Ich wurde als das Original
von einem ziemlich guten Double eingeladen, von dem Andreas
Wollschläger aus Neustadt, der hier in der Gegend zum
Karneval oft im Gottlieb Wendehals-Kostüm unterwegs war. Das
hat mir gefallen. Und dann habe ich natürlich gerne zur
Eröffnung der Kneipentour den Freibieranstich gemacht.
OTZ: Wie fanden Sie die Neustädter?
Werner Böhm: Ich habe lauter nette Leute kennengelernt. Es
war toll. Besonders auf dem Markplatz mit der kleinen
Opernsängerin und als die Tramps von der Orl, das ist so
eine Karnevalsgruppe, mit mir später im Hotel Stadt Neustadt
meine Lieder gesungen haben. Da wollte ich natürlich gerne
wiederkommen. Ist doch klar. Ich freue mich auf einen
Riesenspaß mit der Polonäse.
OTZ: Die Opernsängerin war Lola Günnel, viele Jahre tätig
am Meininger Theater, sie ist leider im letzten Jahr
verstorben.
Werner Böhm: Das tut mir leid. Das war eine tolle Frau.
OTZ: „Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse . . .“
– diesen Titel, diese Polonäse Blankenese, kennt in
Deutschlands beinahe jedes Kind. Wie sind Sie damals, vor
fast 30 Jahren, auf die Idee dazu gekommen?
Werner Böhm: Mein erster großer Hit als „Gottlieb Wendehals“
war „mein Freund Herbert“ 1979. Der Herbert war so ein
durchgeknallter Alleinunterhalter mit Rhythmusgerät und
Aktentasche, wie es heute noch viele gibt. Ich habe mich
damals gefragt, ob ich auch mal so ende. Es musste also ein
neuer Hit her. So bin ich mit meinem Partner damals nach
Fuerteventura gefahren und wir haben im schönsten
Sonnenschein jeden Tag stundenlang zusammen rumgesponnen.
Und dann fiel uns das ein: bei jeder Tanzveranstaltung
riefen damals die Bands, jetzt machen wir eine Polonäse und
spielten irgendwelche Musik dazu. Also schrieb‘ ich eine
richtige Polonäse. Das war d i e Idee.
OTZ: Sie haben den Titel selbst komponiert?
Werner Böhm: Ja, die Melodie zu finden, dauerte am Klavier
nur ein paar Minuten. Das passte sofort. Aber am Text haben
wir ein halbes Jahr gesessen. Der setzte sich dann aus
vielen schönen Puzzleteilen zusammen.
OTZ: Wieso fasst in dem Titel ausgerechnet ein Herbert
einer Heidi von hinten an die Schulter und wieso ist es die
Polonäse Blankenese?
Werner Böhm: Das meinte ich, das ist so Puzzleteil. Das ist
ein lustiger Satz von Mary Roos, meiner damaligen Frau. Und
mit dem Titel das war auch so lustig. Als ich mit dem Song
aus dem Studio kam, war gerade Roland Kaiser bei uns zu
Besuch. Ich hab das Lied vorgesungen, aber einen Titel hatte
es noch nicht. Da sagte Roland: Polonäse Blankenese. Aber
die Leute in Blankenese sind da nicht so stürmisch
begeistert gewesen, die sind da etwas zurückhaltend.
OTZ: Sie sollen ja 1981 eine Fernseh-Hitparade mit der
Polonäse richtig durcheinandergebracht haben . . .
Werner Böhm: Ja, genau. Das war die Sendung „Musikladen“ in
der ARD. Die Leute machten sofort mit, fassten sich an den
Schultern und ab gings. Da hat es richtig geknallt. Und von
heute auf morgen ging das los mit dem Titel. Die
Plattenfabrik rief paar Tage nach der Sendung bei mir an:
Herr Böhm, halten sie sich fest, wir pressen jeden Tag 50
000 Stück. So war ich von heute auf morgen Millionär.
Unglaublich war das.
OTZ: Stimmt es, dass Sie auch das DDR-Politbüro zu einem
Auftritt eingeladen hat?
Werner Böhm: Ja, ich habe mit Erich und Margot Honecker,
Egon Krenz und wie sie alle hießen, die Polonäse gemacht.
Das war auf Rügen im Cliff-Hotel. Da durften nur die
„Bonzen“ rein. Und ich war dann auf vielen Bühnen in der
ganzen DDR unterwegs und habe gesungen. Das war eine
verrückte Zeit.
OTZ: Seit 1979 kennt man sie mit dieser großkarierten
Jacke, mit Aktentasche und einem Gummihuhn. Wie entstand
dieses Kostüm?
Werner Böhm: Auf der Reeperbahn in Hamburg gibt es so einen
Laden, der die Künstler ausstattet. Ganz abscheuliche
Kostüme gibt es da, bunte Polyester-Hemden und so was. Ich
war mit Mary Roos dort und wir suchten etwas, das perfekt zu
diesem alten, abgerissenen Alleinunterhalter Herbert passte.
Es sollte verrückt aussehen. Das Gummihuhn hatte ich schon
dabei, das hat mir mal eine Verehrerin geschenkt. Und in der
alten Aktentasche hatte der sein Brot drin. Wir haben nicht
gleich was gefunden, da holte der Verkäufer aus dem Keller
diese komische Jacke und die viel zu kurze Hose. Wir haben
uns halb tot gelacht. Zu Hause vor dem Spiegel habe ich dann
noch die Haare so zurückgekämmt, dann kam sofort ein
Zeitungsfotograf und das war es dann.
OTZ: Sie sind in diesen Wochen oft in einem Tonstudio in
der Pfalz anzutreffen. Was nehmen Sie da gerade auf?
Werner Böhm: Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich bin da
abergläubisch. Aber ich kann Ihnen versprechen: es wird was
ganz tolles, lustiges, was sonst keiner macht. Ich habe ein
super Team dort, es macht mir gerade wieder richtig Spaß.
OTZ: Was können die Gäste der Neustädter Kneipentour mit
Ihnen erleben?
Werner Böhm: Erstmal machen wir die Polonäse von Kneipe zu
Kneipe. Da freue ich mich besonders drauf. Und dann werde
ich auf der Bühne für die Leute singen. Welche Titel, das
entscheide ich erst dort, aus dem Bauch heraus. Ich singe ja
alles live. Und ich freue mich auf Neustadt, aber wie!
OTZ: Vielen Dank für das Gespräch! |