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Gottlieb Wendehals freut sich

auf „Riesenspaß“ in Neustadt

Große Kneipenpolonäse am 17. April zur Kneipentour / OTZ-Interview mit Werner Böhm, alias Gottlieb Wendehals
 

 
 

OTZ: Herr Böhm, sie waren im Mai 2009 schon zu Gast bei der Neustädter Kneipentour. Das war für viele eine Überraschung. Wie kam es dazu?

Werner Böhm: Das war ganz witzig. Ich wurde als das Original von einem ziemlich guten Double eingeladen, von dem Andreas Wollschläger aus Neustadt, der hier in der Gegend zum Karneval oft im Gottlieb Wendehals-Kostüm unterwegs war. Das hat mir gefallen. Und dann habe ich natürlich gerne zur Eröffnung der Kneipentour den Freibieranstich gemacht.

OTZ: Wie fanden Sie die Neustädter?

Werner Böhm: Ich habe lauter nette Leute kennengelernt. Es war toll. Besonders auf dem Markplatz mit der kleinen Opernsängerin und als die Tramps von der Orl, das ist so eine Karnevalsgruppe, mit mir später im Hotel Stadt Neustadt meine Lieder gesungen haben. Da wollte ich natürlich gerne wiederkommen. Ist doch klar. Ich freue mich auf einen Riesenspaß mit der Polonäse.

OTZ: Die Opernsängerin war Lola Günnel, viele Jahre tätig am Meininger Theater, sie ist leider im letzten Jahr verstorben.

Werner Böhm: Das tut mir leid. Das war eine tolle Frau.

OTZ: „Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse . . .“ – diesen Titel, diese Polonäse Blankenese, kennt in Deutschlands beinahe jedes Kind. Wie sind Sie damals, vor fast 30 Jahren, auf die Idee dazu gekommen?

Werner Böhm: Mein erster großer Hit als „Gottlieb Wendehals“ war „mein Freund Herbert“ 1979. Der Herbert war so ein durchgeknallter Alleinunterhalter mit Rhythmusgerät und Aktentasche, wie es heute noch viele gibt. Ich habe mich damals gefragt, ob ich auch mal so ende. Es musste also ein neuer Hit her. So bin ich mit meinem Partner damals nach Fuerteventura gefahren und wir haben im schönsten Sonnenschein jeden Tag stundenlang zusammen rumgesponnen. Und dann fiel uns das ein: bei jeder Tanzveranstaltung riefen damals die Bands, jetzt machen wir eine Polonäse und spielten irgendwelche Musik dazu. Also schrieb‘ ich eine richtige Polonäse. Das war d i e Idee.

OTZ: Sie haben den Titel selbst komponiert?

Werner Böhm: Ja, die Melodie zu finden, dauerte am Klavier nur ein paar Minuten. Das passte sofort. Aber am Text haben wir ein halbes Jahr gesessen. Der setzte sich dann aus vielen schönen Puzzleteilen zusammen.

OTZ: Wieso fasst in dem Titel ausgerechnet ein Herbert einer Heidi von hinten an die Schulter und wieso ist es die Polonäse Blankenese?

Werner Böhm: Das meinte ich, das ist so Puzzleteil. Das ist ein lustiger Satz von Mary Roos, meiner damaligen Frau. Und mit dem Titel das war auch so lustig. Als ich mit dem Song aus dem Studio kam, war gerade Roland Kaiser bei uns zu Besuch. Ich hab das Lied vorgesungen, aber einen Titel hatte es noch nicht. Da sagte Roland: Polonäse Blankenese. Aber die Leute in Blankenese sind da nicht so stürmisch begeistert gewesen, die sind da etwas zurückhaltend.

OTZ: Sie sollen ja 1981 eine Fernseh-Hitparade mit der Polonäse richtig durcheinandergebracht haben . . .

Werner Böhm: Ja, genau. Das war die Sendung „Musikladen“ in der ARD. Die Leute machten sofort mit, fassten sich an den Schultern und ab gings. Da hat es richtig geknallt. Und von heute auf morgen ging das los mit dem Titel. Die Plattenfabrik rief paar Tage nach der Sendung bei mir an: Herr Böhm, halten sie sich fest, wir pressen jeden Tag 50 000 Stück. So war ich von heute auf morgen Millionär. Unglaublich war das.

OTZ: Stimmt es, dass Sie auch das DDR-Politbüro zu einem Auftritt eingeladen hat?

Werner Böhm: Ja, ich habe mit Erich und Margot Honecker, Egon Krenz und wie sie alle hießen, die Polonäse gemacht. Das war auf Rügen im Cliff-Hotel. Da durften nur die „Bonzen“ rein. Und ich war dann auf vielen Bühnen in der ganzen DDR unterwegs und habe gesungen. Das war eine verrückte Zeit.

OTZ: Seit 1979 kennt man sie mit dieser großkarierten Jacke, mit Aktentasche und einem Gummihuhn. Wie entstand dieses Kostüm?

Werner Böhm: Auf der Reeperbahn in Hamburg gibt es so einen Laden, der die Künstler ausstattet. Ganz abscheuliche Kostüme gibt es da, bunte Polyester-Hemden und so was. Ich war mit Mary Roos dort und wir suchten etwas, das perfekt zu diesem alten, abgerissenen Alleinunterhalter Herbert passte. Es sollte verrückt aussehen. Das Gummihuhn hatte ich schon dabei, das hat mir mal eine Verehrerin geschenkt. Und in der alten Aktentasche hatte der sein Brot drin. Wir haben nicht gleich was gefunden, da holte der Verkäufer aus dem Keller diese komische Jacke und die viel zu kurze Hose. Wir haben uns halb tot gelacht. Zu Hause vor dem Spiegel habe ich dann noch die Haare so zurückgekämmt, dann kam sofort ein Zeitungsfotograf und das war es dann.

OTZ: Sie sind in diesen Wochen oft in einem Tonstudio in der Pfalz anzutreffen. Was nehmen Sie da gerade auf?

Werner Böhm: Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich bin da abergläubisch. Aber ich kann Ihnen versprechen: es wird was ganz tolles, lustiges, was sonst keiner macht. Ich habe ein super Team dort, es macht mir gerade wieder richtig Spaß.

OTZ: Was können die Gäste der Neustädter Kneipentour mit Ihnen erleben?

Werner Böhm: Erstmal machen wir die Polonäse von Kneipe zu Kneipe. Da freue ich mich besonders drauf. Und dann werde ich auf der Bühne für die Leute singen. Welche Titel, das entscheide ich erst dort, aus dem Bauch heraus. Ich singe ja alles live. Und ich freue mich auf Neustadt, aber wie!

OTZ: Vielen Dank für das Gespräch!

   
   










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